Translate

Handnähte

Handnaht ist nicht gleich Handnaht.

Am Anfang dachte ich es sei wichtig überhaupt von Hand zu nähen, egal wie. Und selbst sichtbar mit Orkstichen zusammen getackert, Hauptsache Handnaht.
  • Dann wurde ich etwas feiner in den Nähten und es ging leichter von der Hand.
  • Dann dachte ich eine Kapnaht ist das einzig wahre, weil es so schön sauber aussieht, innen wie außen.
  • Dann habe ich einige Kleidungsstücke im Auftrag genäht, und zwar nach Fund.
Und wieder mal musste ich staunen.
Ich staunte darüber, wie sorgfältig und vielfältig die Kleidung aus früheren Zeiten genäht ist. Es gibt eine Vielzahl von Sticharten und die Verwendung ist an der Funktionalität gebunden.
Es gibt Handnähte die auf Elastizität angelegt sind, und zusammen mit dehnbaren Wollgeweben, war die Kleidung wirklich sehr belastbar.
Es lohnt also sehr, auf die erhaltenen Originale zu schauen und heraus zu finden, welche Nähte Verwendung fanden.

Einige möchte ich vorstellen und hier als offene Sammlung pflegen.

Zuvor ein Wort zum Werkzeug.
Nadel und Stoff sollten zusammen passen.
Die Nadel sollte nicht zu groß und nicht zu dick gewählt werden.
Im gut sortierten Kurzwarenhandel gibt es Nadelpolierer, deren Verwendung ich empfehlen kann.
Es lohnt sich gutes Werkzeug an zu schaffen, im Falle ein paar Nadeln ist das erschwinglich.
Für Wollgewebe, die ja meist etwas lockerer sind, verwende ich gerne Sticknadeln mit stumpfer Spitze. Der Vorteil - so teilt man beim nähen keinen Gewebefaden. Ein geteilter Faden reißt schneller und ist so mit eine Art Sollbruchstelle.
Leinen ist meist fest, hier nähe ich mit spitzen Nadeln.

Nicht verzweifeln, es stellt sich meist relativ schnell eine Routine beim arbeiten ein, so das selbst die langen Nähte irgendwann einmal fertig werden, und gar nicht mehr so schrecklich sind.

Den Faden nicht zu lang wählen. Ist der Faden zu lang, verschleißt er schon beim nähen. Man kennt es, der Faden reißt mitten in der Arbeit. Ein Faden der während der Arbeit reißt, wird auch im Gewebe nicht lange halten.
Reißt die Naht am Kleidungsstück, freut man sich beim reparieren, wenn der Faden nicht zu lang gewählt war, und die Lücke schnell geschlossen werden kann. Kurzer Faden, kurzer Platzer.
Um einen Leinenfaden reißfester und gut nähbar zu machen, sollte man ihn einige Male über ein Stückchen Bienenwachs ziehen.

Fadenmaterial.
Ist es im Fundgut nicht anders belegt, näht man Wollstoffe mit Wollgarn, und Leinenstoffe mit Leinenfaden. Leinengarn ist "schärfer" als Wollgarn, und kann Wolle bei starker Beanspruchung durch scheuern.

(ein Eintrag zum Thema Garn: http://zeitensprung.blogspot.de/2013/11/nahgarn.html
Nähgarn in meinem Shop: http://de.dawanda.com/shop/Zeitensprung/2444939-Naehgarn )

Überwendlichstich:

Eine Art Standartstich. Macht man auf der sichtbaren Seite eine Art Punktstich, ist er so gut wie nicht zu sehen. Punktstich heißt,man geht durch den Stoff auf die sichtbare Seite und beinahe an der gleichen Stelle wieder zurück.

 



oberes Bild, die Rückseite

unteres Bild die Schauseite

für das ungeübte Auge habe ich einen roten Kringel um einen der Stiche gemacht.


Eine Saumnaht ?
Nennen wir sie einfach "schöne Naht"

Hier werden die Kanten, erst einmal wie an einem Saum umgeschlagen und im Überwendlingsstich vernäht.  Danach werden die Kanten beider Seiten aufeinander gelegt und mit Überwendlingsstichen mit einander verbunden.
Vorteil : das Kleidungsstück hat sehr schöne versäuberte Kanten, der Stoff kann sich nicht aufdröseln, die Schnittkanten sind gut gesichert. Der Tragekomfort ist sehr hoch, die Kleidung trägt sich sehr angenehm, und die Naht trägt weniger auf, als man es sich spontan vorstellt.

Die elastische Naht:
sie kommt dem heutigen Zick-Zackstich der Nähmaschine in der Funktion sehr nahe.
Hier werden die Einzelteile zuvor mit einer Art Knopflochstich gesichert und versäubert.
Danach werden die Kanten mit einer Art Matratzenstich mit einander verbunden. Allerdings wird der Stich nicht gleich an der Kante, sondern etwas von der Kante entfernt, angesetzt.

Das ist schwer zu beschreiben, darum habe ich ein Modell gemacht.
Das rote Garn, ist der Stich zur Sicherung der Schnittkanten.
Der gelbe Stich ist die Verbindungsnaht, um zu verdeutlichen wo der Faden zwischen den Stoffen durch läuft, habe ich den Weg hellgrün nach gemalt.


Links entspannt, rechts unter Spannung, ist die Spannung gelöst, arbeitet
sich der Stoff wieder in die alte Position zurück.


Am fertigen Kleidungsstück kann das so aussehen. (Außenseite)
Diese Naht findet sich z.B. an der Hose, die im Damendorf Moor gefunden wurde. (3Jahrh n.Chr.)
Da gerade die Hosennähte unter starker Belastung stehen, sind dehnbare Nähte ideal.


Kreuzstich:

Der Kreuzstich kann so eingesetzt werden, das er dekorativ aussieht und doch funktional ist. So wie hier am Rand einer Mütze eingesetzt um den Futterstoff mit dem Mützenstoff zu verbinden.


Idealerweise ergibt der Stich auf der Innenseite ein gleichmäßiges Bild.
(wobei ich zugeben muss, das mir das selten gelingt.)

Hexenstich

so nennt man diesen Stich heute. Er gehört zu den zierenden Stichen die man auch gut funktional einsetzen kann. Auch hier verbindet er dekorativ ein Leinenfutter mit einem Oberstoff.

Elisabeth Naht

Diese Naht habe ich selbst noch nie gemacht, die Bilder und auch die Näharbeit an einem Mustertüchlein, hat Frau Michaela H*. extra für diesen Blog  gemacht - vielen Dank !

Diese Naht findet sich am Kleid der hl. Elisabeth.
Der Stoff wird überlappend aufeinander gelegt und die erste Seite wird mit Überwendlichstichen verbunden:
Dann wird die Arbeit umgedreht, so das die gerade entstandene Naht auf der Rückseite ist, das sieht dann so aus :
Und die andere Seite wird wieder mit Überwendlichstichen vernäht:
Fertig.

Rollnaht

Eine eher moderne Naht, ich weiß nicht seit wann sie gebräuchlich ist, deshalb ein Link zu meinen handgenähten modernen Taschentüchern

Nähmaschinennaht

Das Prinzip ist so toll dargestellt, das ich es gerne hier in die Sammlung mit aufnehmen möchte:
http://media.topito.com/wp-content/uploads/2014/11/machine.gif
(Quelle: media.topito.com)

Herzlichen Dank an Beate*, ohne deren Hinweise ich nie zu den unterschiedlichen Nähten und deren Funktion gefunden hätte.
Vielen Dank an Mel* und Hidril* für das Nähstündchen mit Nachhilfe Unterricht in trauter Runde.

* auf eigenen Wunsch nur mit Vor bzw Szene Namen genannt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Gänzlich anonyme Kommentare werden nicht frei geschaltet, ich bitte um Verständinis.