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Samstag, 30. Dezember 2017

Webbreiten, Webgeräte

Wenn wir heute über alte Textilien nachdenken, hört man oft den Begriff, "früher war das xy..." ganz so als seien Normen schon immer Bestandteil des Lebens gewesen, zu allen Zeiten.
Tatsächlich sind Textilarbeiten unglaublich vielfältig. Abhängig sind die Werkstücke vom Webgerät und den zur Verfügung stehen Materialien und den Lebensumständen der Menschen. Die Arbeiten reichen vom Nutzkleidung, über Wertanlage (Handelsgut) zu Statussymbolen. Vom Mittel zum Zweck, zu Luxusgütern, wie eine einfache Bastmatte oder der über Jahre hinweg sorgfältig geknüpfte Teppiche. Sie konnten Ausdruck von Fleiß und Geschick sein, aber auch Reichtum in dem zur Schau stellen von seltenen Materialien und Farbstoffen. Handelsware wie Seide wurde nachweislich über Generationen genutzt. (Siehe die Stoffe in der Krypta von St. Severin Köln und deren sichtbare mehrfache Verwendung)
Unterscheidungen gab es sicherlich bei Textilem das in Heimarbeit statt fand, und professionellen Werkstätten die Handelsware herstellten.

Ein selbst entworfenes Bild, das an ein Bild der 12 Bruder Stiftung angelehnt ist. (Martin Huttner 1618) wichtig ist hier der Webstuhl, der sich sicherlich über lange Zeit nicht verändert hat. Der Webstuhl hat 2 Schäfte, mit ihm kann nur Tuchbindung gewoben werden.

Die Webbreite von Stoffen ist abhängig vom Webstuhl. Ein einfacher Trittwebstuhl für Handweber ohne Schnelllade hat eine natürliche Breite, die sich nach der Armlänge des Webers richtet. Das heißt der Weber muss seitlich das Schiffchen noch ins Fach legen können, ohne dafür die Webbank verlassen zu müssen. Das klingt so als damit die Breite der Tuche geklärt und auf etwa 1,20m Maximum festgelegt, aber der Mensch ist ja findig. Manchmal kann man einen Webstuhl auch zu zweit betreiben.

Mit Trittwebstuhl ist der Webstuhl gemeint, wie wir ihn oben im Bild sehen. Das Stück stellt eine Variante dar, der von 2 Mensch betrieben werden muss.
Ab wann der Trittwebstuhl gebräuchlich war, lässt sich nicht genau klären.

Vor der Erfindung des Trittwebstuhl wurde am Gewichtwebstuhl gearbeitet. Der Gewichtwebstuhl ist in der Breite sehr variabel. Seine Maße können an die Wohnverhältnisse angepasst sein, oft wird aber auch vermutet, das Häuser gebaut wurden, die als Weberei genutzt wurden.
Einen besonders breiter Gewichtwebstuhl wurde auf der Kaiserpfalz Tilleda nachgewiesen, mit einer Breite von über 3m müssen dort gigantische Textilien hergestellt worden sein.

Nachbau des Webstuhls aus und in Tilleda
Die Arbeit an solch einem Gerät kann recht gesellig sein, ein solch großer Webstuhl muss von mehren Menschen gleichzeitig betrieben werden. Man muss die Querhölzer (mittig im Bild) ausheben um ein Webfach zu öffnen, zusammen mit dem Holz hebt man auch die Gewichte (unten im Bild in Form Donuts) mit an. Das erfordert Kraft, insbesondere wenn über Stunden gewebt wird. Der Schussfaden wird dabei von Hand ins Fach gelegt. Ein Schiffchen ist dabei nicht nötig.
Wie lange Gewichtwebstühle im Gebrauch waren, lässt sich schwer sagen, vermutlich haben sie lange neben den Flachwebstühlen existiert, denn man benötigt sehr viel weniger Stellfläche um ihn unter zu bringen.
Siehe auch :
 Webhäuser in der sächsichen Siedlung Groten von K. Tidow

Gewichtwebstuhl und Trittwebstuhl, damit wären die hier im Euopäischem Raum wichtigen Webstuhlformen zur Tuchherstellung im Mittelalter vorgestellt. Ob das so vollständig ist, weiß man nicht.
Die Art des Webgeräts lässt sich bei Leinwandbindigen und Köperbindigen Textilien nicht fest stellen.
Schaut man über den Tellerrand Europas hinweg, findet man noch heute Gurtwebgeräte, Tuche die mit wenigen Hölzern am Boden in langen Bahnen gewebt werden, Flachwebstühle die so ganz anders konstruiert sind, als das war hier so kennen. Allen gemeinsam ist eine lange Traditionen, gewebt wird scheinbar überall.


Kostbare Stoffe insbesondere begehrte Seidenstoffe gelangten als Handelsware schon recht früh zu uns, meist in sehr aufwendigen Techniken hergestellt.

Was sagt das über die Webbreiten aus ?

Alles und Nichts.
Die Aussage, Kleiderstoffe wurden auf Schulterbreite gewebt, lässt sich so nicht halten. Es ist möglich im Hauswerk auf Maß zu weben, um möglichst Material sparend zu arbeiten, aber schon im gewerblichen Handwerk macht es keinen Sinn, da Menschen je nach Statur, recht unterschiedliche Breiten benötigen.
Im Bild oben, sehen wir das Kirchenfenster eines Textilzentrums im Burgund/Frankreich, das sich auf die Herstellung von gewalkten Mantelstoffen spezialisiert hatte. Das Fenster wurde der Kirche von der Zunft gestiftet, die eine eigene Kapelle im Seitenschiff der Kirche hatte. Für Köln wird aus dem Hochmittelalter beschrieben, das dort Manteltuche hergestellt wurden, die gewebt, gewalkt, aufgerauht und auf Rahmen gespannt wurden. Die Rahmen sollen nach heutigen Maßen 44,78m lang und 1,73m breit gewesen sein. (Quelle : Köln im Hochmittelalter )
Sicherlich waren die Webbreiten variabel, und es gab sicherlich Tuche die als Kleiderstoffe für Festtage, Arbeitskleidung und Manteltuche aber auch Heimtextilien wie etwa Tischwäsche, Handtücher, Wandteppiche, Raumteiler, Vorhänge, Bettdecken oder Unterstoffe für Stickarbeiten geeignet waren. Möglich all diese Stoffe mit eigenen Breiten daher kamen, je nach Webgerät und Werkstatt. Es gibt zu wenige so gut erhaltene Textilien, die wirklich etwas über die Webbreite aussagen.


Quellen :
Köln im Hochmittelalter
1074/75 - 1288: Geschichte der Stadt Köln Band 3
Greven Verlag ISBN-10: 3774304424

Fenster:
Notre Dame Semur-es-Auxois im Burgund/Frankreich


Freitag, 22. Dezember 2017

Jahresrückblick 2017

Thema des Jahres waren für mich Manteltücher. Gefühlt habe ich nichts Anderes getan.
Doch Garne für die Tücher gesponnen, auch Garne für kommende Kleinprojekte, die besondere Garne erfordern. Natürlich habe ich auch Stoffe gewebt, und auch nicht wenige Schultertücher von denen es keins in die Vorweihnachtszeit geschafft hat, zumindest nicht bei mir im Lager. So ist mein Shop relativ leer und ihn aufzufüllen ist arbeitstechnisch gerade unmöglich. Erst gilt es Auftragsarbeiten um zu setzen.

die schönsten Manteltücher aus 2017 


Shop ist ein gutes Stichwort, ich habe meinen Shop ja bei Dawanda, und dort hat sich einiges verändert. Das Erste was mir dazu einfällt, ist die Gebühren Erhöhung für die Shopbetreiber, die mich gezwungen hat, über viele sehr arbeitsintensive aber knapp kalkulierte Arbeiten nach zu denken und sie aus dem Shop raus zu nehmen. Vieles davon liegt bei mir nun im Lager, auf meinen 2 jährlichen Messen, geht der Kleinkram oft unter, wenn Ihr also Nadelmäppchen, Nadelkissen, Taschen und anderes Kleinzeug braucht, schreibt mich an.
Was mich ebenfalls bei Dawanda ärgert, neben dem vielen Trödel der als Vintage getarnt dort vertrieben wird, sind die vielen Rabattaktionen. Eine Rabattaktion setzt ein gutes Polster in der Kalkulation voraus.
Meine Preise sind knapp und ehrlich, ich bin immer bemüht, gute Rohstoffe zu besorgen, und dabei den Schaden für Tier und Umwelt möglichst klein zu halten. Dabei ist mein Macherlohn nicht üppig und oft wie immer bei Textilarbeiten niedrig. Rabatte sind also nicht vorgesehen.

Ein weiterer Frust ist Facebook. Anfangs lief es Super. Nun ist mein Eindruck, das ich Werbung kaufen soll, und weil ich das nicht tue, läuft es technisch nicht so rund ? Ich bekomme keine Benachrichtigung, bei eingehenden PNs und Kommentaren, was mich sehr ärgert, da mir Zuverlässigkeit beim Kunden und seinen Anfragen, wichtig ist.
Was mich daran am allermeisten ärgert ist, das es so unterschwellig passiert. Man baut sich die Seite auf, druckt Visitenkärtchen, Kunden und zukünftige Kunden speichern sich die Seite ab, man kann kann nicht so einfach wechseln. Um die Werbung bezahlen zu können, müsste ich lange weben und wieder auf den Verkaufspreis meiner Stücke aufschlagen. Hätte ich anfangs gewusst, wie das läuft und was es kostet, hätte ich mich sicherlich nicht angemeldet. Ich mag das nicht tun, also lasst mir bitte ab und an ein Däumchen da, teilt mich, empfehlt mich weiter, so das meine kleine Weberei auch ohne FB Werbung am laufen bleibt.
Auch wenn es veraltet erscheint, mailt mir, das ist zuverlässig und ich antworte so schnell wie mir möglich. Die Adresse findet sich im Impressum ganz unten.


Auf meinem Blog ist es ruhiger geworden. Früher habe ich jede Woche gepostet, aber nun habe ich den Eindruck, alles schon mal gezeigt zu haben. Ein Mantel zu weben dauert. Es dauert erheblich länger als Tücher, auch wenn sie nur doppelt so groß sind. So könnte ich dann zu jedem Mantel 2-3 Wochen darüber schreiben, das wäre mir selber langweilig. Also gibt es deutlich weniger Posts, auch in Zukunft.
Am 3 Januar wird dieser Blog 5 Jahre alt. Zeit mal auf zu räumen, Belangloses zu löschen und mal zu schauen ob Verlinkungen veraltet sind. Darum werde ich mich in der nächsten Zeit kümmern.

Bliebe in der Aufzählung das Telefon.
Tatsächlich benutze ich nur Festnetz. Ich besitze ein Mobiltelefon für den Notfall, und stirbt vor Langeweile und Einsamkeit. Den Moment leben und das in Echtzeit ist mir wichtig.
Warum will ich nicht angerufen werden ?
Tagsüber klebe ich im Webstuhl, mitten im Muster ist es ärgerlich unterbrechen zu müssen. Mache ich Pause, webe ich grundsätzlich den Musterrapport zu Ende, um Fehler zu vermeiden. Oft geht das nicht innerhalb von 5x klingeln.
Oder aber ich liege unter dem Webstuhl um die Verschnürung zu justierenoder bin beim Einzug konzentriert das Muster einzurichten. Manche Fäden wollen an den richtigen Platz geschimpft werden - kein guter Zeitpunkt zum telefonieren.
Der Abend gehört der Familie, irgendwann muss auch mal Feierabend sein, ich bitte um Verständnis.
Also schreibt Emails, die könnt Ihr schreiben wenn IHR Zeit habt, und ich antworte so schnell es geht - perfekt.

Viel gelernt habe ich in diesem Jahr, auch und besonders über den mühsamen Weg vom frisch geschorenen Schafvlies zum Faden.Viel Arbeit, wenig zum zeigen, gibt es doch so viele Seiten und Blogs die sich um Spinnen und Rohwolle verdient machen, und da so viel weiter sind als ich.
Mein persönliches Highlight war es das Problem Schlauchkante zu knacken. Dieses irgendwie überflüssige Detail hat mich an den Rand des Wahnsinns getrieben.

Wer mich privat kennt, weiß das der Garten mein drittes Kind ist, jetzt im Winter wo er ausruht, habe ich mehr Zeit, als im Sommer wo es neben der normalen Arbeit, immer etwas draußen zu tun gibt. Diese Zeit fülle ich mit dem lesen von Fachliteratur.
So wie das Bücherregal anwächst, wächst auch meine heimliche To-do Liste - aber wer kennt das nicht ?


Dienstag, 5. Dezember 2017

Farbkombinationen in der Weberei

Das Zusammenspiel von Farben kann in der Weberei sehr überraschend sein.
Anders als beim stricken oder häkeln wo man Farben sauber als Einzelfaden verarbeitet, werden bei der Weberei die Farben durch das zwangsläufige kreuzen der Fäden, gemischt.
Bei ruhigen Mustern und dicken Garnen mischen sich die Farben für unser Auge nicht so stark. Je feiner die Fäden werden, um so mehr verwischen die Farben, ähnlich wie das Farben mischen im Aquarell Kasten. Was nebeneinander oft schrill oder harmonisch wirkt, kann plötzlich gefällig oder fade wirken. Man ist vor Überraschungen oft nicht sicher und manche Planung in der Vergangenheit habe ich nach dem anweben verworfen und neu kombiniert.

Beispiel:
Enzianblau, Flieder und Feuerwehrrot auf dem ersten Blick recht schrill
Der Plan war die 2 Grundfarben Rot und Blau, mit ihrer Mischfarbe zu kombinieren.
Da im Vorrat ein passendes Flieder war, habe ich den Zierstreifen mit einem weißen Rand eingefasst.
Der Diamantköper ist ein optisch sehr unruhiges Muster. Das Auge kann das Muster nur schwer erfassen, und ist zum Farben mischen gut geeignet.


Der Fliederton wird durch die blaue Kette nochmals eingetrübt und verliert an Leuchtkraft. Der blitzweiße Streifen, fällt kaum ins Auge.
Die Kombination gefällt mir gut und hat sich genauso verhalten wie geplant.
Meine Überlegungen basieren auf moderner Farbkunde. Vor über Tausend Jahren hätte man wohl eher Teures mit Teurem verwendet ?