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Dienstag, 15. August 2017

Ich würde mir gerne etwas weben lassen und habe da ein paar Fragen

Ich fasse hier einmal die am meisten wieder kehrenden Fragen zusammen und gebe auch gleich Antworten.

Ich stelle jemanden ganz Einfaches dar, warum ist das genau so teuer wie der Stoff für den Fürsten ?
Das Teuerste an Textilen Anfertigungen ist ganz klar die Arbeitszeit.
Feine Stoffe treten in Adeligen Gräbern genau so auf, wie auch bei der Lumpen Tunika des Bernuthfeld Mannes. Klar die Pflanzenfärbungen beim Adel kosten natürlich mehr, weil in den Färbungen auch wieder Stunden und Aufwand stecken, aber 15 Fäden je 1cm sind Gefärbt oder Natur der gleiche Aufwand beim Einrichten des Webstuhls.
Je mehr Fäden benötigt werden, um so höher der Aufwand. Das das fertige feine Werkstück weniger wiegt als das gröbere Schwere, spielt kaum eine Rolle.

Ist eine Anfertigung nach Fund teurer als ein freier Entwurf ?
Nein. Oft sind jedoch die Originale recht aufwendig verarbeitet, und das macht die Sache teuer.
Funde lassen sich vereinfacht nacharbeiten.
Ob die Fäden handgesponnen sind, gezwirnt oder Single Garne, rechts oder links gedreht, fällt dem Laien kaum auf. Auch ob Pflanzenfarben oder Industriell gefärbte Garne zum Einsatz gekommen sind, erkennt man oft nur schwer. Wenn es darum geht die richtige Bindung (Muster) für ein Kleidungsstück zu haben, weil man das nun mal nicht kaufen kann, ist man mit Standart Garnen gut beraten. Gerne auch in Industriell gefärbt, weil das für die Stabilität der Garne schonender ist. Die Garne überstehen die mechanische Belastung am Webstuhl besser, als von Vorbeizen und zusätzlich benötigten Chemikalien bei Pflanzen gefärbten. Ich habe ein Sortiment an Musterkarten mit meinen Standartgarnen und kann die Farben aussuchen, die den üblichen Pflanzenfarben sehr nahe kommen.
Es ist also möglich ein und das selbe Stück sehr aufwendig oder aber preiswerter herzustellen. Wobei billig ist eine Anfertigung von Hand nie.

Für die vielen Funktionsgewebe ist die Garnart, die Drehung, der Spinnwinkel und sogar die Schafrasse nicht unerheblich. Die historischen Garne wurden anders, als heutige Handarbeitsgarne nicht auf Flauschigkeit gearbeitet, sondern auf Langlebigkeit und auf gute Verarbeitungseigenschaften. Die Garne waren in der Regel glatt, reißfest und belastbar. Die Stoffe werden sich vermutlich eher wie die heutige Berufsbekleidung oder Chino angefühlt haben, denn wie Merino Flauschflanell. Die Nachbehandlung von Stoffen muss vielfältig gewesen sein. Viel Wissen ist verloren gegangen.
Bei besonderen Stücken, müssen individuelle Lösungen gefunden werden.

Wann brauche ich eine Anfertigung ?
Wenn es den Stoff oder den Trachtbestandteil von der Stange nicht zu kaufen gibt. Weil es ein ganz besonderes Muster ist, weil es Färbungen hat, die man so nicht bekommt, oder das Textil Funktionen/Details hat, die heute nicht mehr hergestellt werden.

Warum kann ich die Garne nicht selber färben und Geld sparen ?
Weil die Garne hohe Belastungen am Webstuhl ertragen müssen. Deshalb habe ich da gerne die Kontrolle und verarbeite möglichst meine Standartgarne. Das vermeidet Ärger auf beiden Seiten.

Wie lange dauert das ?
Ich sortieren meine Aufträge Halbjährlich. Da ich 2 Messen im Jahr als Aussteller besuche, von Anfang April (IRM Villa Borg) bis Oktober (Reeanctor Messe Minden). Die Aufträge werden nach Bindung sortiert und abgearbeitet, dadurch muss der Webstuhl nicht für jedes Gewebe neu eingerichtet werden, was dem Kunden auch Geld spart. Man muss also gut ein halbes Jahr ein planen, manchmal auch mehr. Nur selten kann spontan ein Projekt da zwischen geschoben werden.

Wie breit kannst du weben ?
Mein Webstuhl ist auf eine Breite von max. 1m ausgelegt. Bei maximaler Breite bleibt nach der Vorwäsche die in der Regel immer bei mir statt findet, ca 90cm übrig.
Als Faltgewebe - eine besondere Technik - bleibt bei einem Einzug von 2m Breite in der Regel etwa 1,70m übrig.

Wie lang kannst Du weben ?
Da bin ich mit 25m Kette noch nicht an die grenzen gestoßen. Je feiner das Garn so mehr passt drauf.

Läuft der Stoff noch ein ?
Eigentlich nicht. Denn ich plane den Einsprung schon bei der Gewebeplanung am PC mit ein, webe später dementsprechend mehr, und schneide Meterware erst nach der Wäsche, wenn das Gewebe eingelaufen ist, zu.

Pillt das Gewebe ?
Ganz klar - ja ! Das ist nicht schön, aber es liegt in der Natur des Materials. Moderne Handstrickgarne sind heute mit Antipilling Ausrüstung versehen. Eine Imprägnierung die das aufrubbeln der Garne und damit die Knötchenbildung auf dem Gestrick oder Gewebe verhindert. Diese Ausrüstung verhindert aber auch die nachträglich Färbbarkeit der Garne.
Wenn es irgendwie möglich ist, bemühe ich mich deshalb darum, naturbelassene Garne ohne Ausrüstung zu bekommen.

Warum will die nicht telefonieren ?
Weil ich in der Regel immer aus dem Webstuhl klettern muss. SMS kann und mache ich nicht. Mails lese ich aber regelmässig mehrmals täglich am PC, also nie wenn ich unterwegs bin.
UND hey - wenn Ihr Feierabend, Freizeit und Zeit fürs Hobby habt, möchte ich das auch gerne. ;o) Weben habe ich zum Beruf gemacht, das ist für mich kein Freizeitspaß.

Sonntag, 6. August 2017

Gedanken zur Schlauchkante

Schlauchkante statt Breithalter ?

 

Beinahe Jeder der einmal versucht hat etwas zu weben, kennt es : das Problem eine gleichbleibende Breite des Gewebes zu erhalten. Beim Tuch verdichtet sich am Rand das Gewebe, das Muster wird gestaucht, das Gewebe verliert Breite. Egal bei welchem Gewebe, ob Band oder Tuch. Nicht immer, nicht bei jedem Weber und bei jedem Tuch, aber doch oft genug, so das es einige Hilfsmittel gibt um dies zu vermeiden
In der Tuchweberei finden sich bei den Handwebstühlen unterschiedliche Formen des Breithalters. Der Breithalter ist ein Hilfsmittel um das am Webstuhl wachsende Gewebe, immer akkurat auf der gleichen Breite zu halten und so eingezogene Ränder zu vermeiden. Schaut man über den Tellerrand Europa hinaus, stellt man fest, das die Form sehr vielfältig sein kann.
Eine andere Möglichkeit eingezogene Ränder zu vermeiden, ist das Spannen eines sehr reißfesten Randfadens, der mittels Gewicht einzeln beschwert wird und später aus dem Gewebe entfernt werden kann. Wählt man einen glatten Faden, den man vor der Wäsche entfernt, ist dieses Hilfsmittel später nicht mehr aus zu machen.
Dieses Problem taucht nicht nur an modernen Webgeräten, sondern auch bei der Arbeit am Gewichtswebstuhl auf.

eingezogene Webkante : man erkennt gut die symetrische Raute im Muster und die gestauchte Randraute
moderner Breithalter, er ist in der Breite variabel und wird seitlich ins Gewebe eingesteckt, um es zu strecken.


Bei der Vorarbeit zu einem größeren Projekt ist mir bei der Fertigung von Mustertüchern etwas aufgefallen.
Meine Mustertücher sind aus S/Z gesponnenen Single Garnen mit seitlichen Schlauchkanten. Das Garn ist von eher grober Faser und unbehandelt.
Aus Technik Gründen ist es mir notwendig, zur Anfertigung der Schlauchkante eine technische Schnur im Schlauch ein zu arbeiten. Diese wird später wieder entfernt.
Bei meinen Mustertüchern ist mir aufgefallen, das der Rand des Gewebes trotz sorgfältigen Arbeitens eingezogen, die geleerte Schlauchkante jedoch sehr locker gewoben war. Wie das so ist, wenn man etwas aus probiert, habe ich am Gewebe etwas rum geschoben. Das verdichtete Gewebe lässt sich schieben, der Schlauch wird enger und dichter, die einzogenen Ränder lassen sich egalisieren.

1 Schlauch mit technischer Schnur
2 Schlauch ohne technische Schnur
3 geschobenes Gewebe
4 Gewebe nach der Wäsche






Schlauchkanten finden sich immer wieder an Geweben, die vermutlich am Gewichtswebstuhl hergestellt wurden. Es sind jedoch zu wenige um sie als Mode einer Epoche einzuordnen. Die Schlauchkante fällt beim waschen zusammen und ist optisch eher unscheinbar. Kleidungs technisch macht es am Gewebe keinen Sinn. Sie kann beispielsweise nicht als Tunnelzug genutzt werden, da sie vermutlich* meist in der Anfangsborte verschlossen ist. (*Die mir bekannten Textilien sind nicht gut genug erhalten um dies gesichert behaupten zu können)
Sinn und Unsinn des Schlauchs wird unter den Freunden historischer Textilien diskutiert.
Versucht man heute am modernen Webstuhl eine Schlauchkante nach zu arbeiten, so ist dies mit einigem Aufwand verbunden und auch mit den damaligen Mitteln ist der Aufwand höher. Warum also eine Schlauchkante ?

Meine gewagte Idee, die ich aus meinen Erfahrungen gezogen habe, ist Folgende:
am Gewichtswebstuhl wurden seitlich jeweils eine stabile etwas dickere Schnur gespannt, diese Schnüre könnten eine eigene, höhere Spannung als die anderen Fäden haben. Das Gewebe würde so in einem relativ stabilen Rahmen gearbeitet. Nach Fertigstellung des Gewebes - das Tuch ist vom Webstuhl, jedoch nicht nicht gewaschen - lassen sich Unregelmäßigkeiten am Rand in die Schlauchkante hinein schieben.
Somit wäre die Schlauchkante keine modische Spielerei, sondern ein Griff in des Webers Trickkiste.









Donnerstag, 3. August 2017

Weben langweilig ?

Was mag den findigen Weber des ersten Extendet Tabby angetrieben haben ?
Langeweile ?
Eine gut gefüllte Restgarnkiste ?
Sollten nicht irgendwann einmal Schriftquellen auftauchen, die davon berichten, werden wir es nie erfahren. Fakt ist, es ist eine Gewebeart bei der keine Langeweile aufkommt.
Im Gewebe sind nicht nur einfach Streifen, nein das Muster springt von Rechtsgrat Köper auf Linksgrat Köper und weil nur das zu einfach wäre, kommt auch noch ein wenig Leinwandbindung dazu, oder Rips als Halbpanama.

Im Kundenauftrag:
ein Schultertuch, im Extendet Tabby Muster, wie gewohnt in reiner Wolle.
Kette: Naturschwarz
Schuss: Naturschwarz und handgefärbte Grüntöne (nein extra angefertigt, nicht aus der Restekiste)
Die Bindungen sind 2/2er Köper, mal rechts, mal links und Leinwand




Sonntag, 16. Juli 2017

Rohwolle

Es ist ruhig auf meinem Blog. Das liegt daran, das ich zur Zeit viele langweilige zeitraubende Vorbereitungen für Projekte treffe, die ich vorstellen möchte, wenn es wirklich etwas zu sehen gibt.
Eine dieser Vorarbeit ist das aufbereiten von Rohwolle. Für Spezielle Gewebe - Große und Kleine - benötige ich Garne die nicht der Norm entsprechen, aus Fasern die es eher selten als Spinnfutter zu kaufen gibt. Also beginne ich ab der Rohfaser direkt vom Schaf.

Bis man solche Zwergenbärte hat, ist es ein langer und mühevoller Weg.


Meine Vliese habe ich von der Nutztierarche Stocksee bezogen. Dort werden sie nach dem scheren der Schafe von den gröbsten Schmutz befreit, verpackt und zum Käufer geschickt.
Hier angekommen, habe ich sie auf einem Laken im Garten aus gebreitet und alles was nicht schön genug zum verarbeiten ist, in den Kompost entsorgt. Die Wolle wird durch schlagen, von Samen, Staub und Pflanzenstückchen zum ersten Mal befreit. Dann gewaschen und in der Sonne getrocknet.


So sieht das Waschwasser aus.
Nun wird Löckchen, für Löckchen mit der Hand fluffig auf gezupft und dann mit Hilfe eines Trommelkardierers gekämmt. Beim zupfen werden ein weiteres Mal, Schmutz, und kleine Knötchen in den Haaren aus sortiert. Beim Kämmen mit dem Kardiergerät fliegen weitere Grassamen, Pflanzenstückchen aus den Haaren, etlich verbleiben aber auch noch dort. Diese muss man später während des Spinnens, heraus holen.

hier wird ein anderes Schaf gekämmt, als oben gewaschen wurde.
Nach dem Kämmen hat man nun endlich so schöne Bärte wie auf dem obersten Foto.
Ab hier kann die Wolle versponnen werden.
Da noch einiges an Rohwolle im Lager lauert, wird es noch dauern, bis ich zum spinnen und zu meinen Projekten komme. Es wird also vermutlich noch ein Weilchen ruhig hier bleiben.


Montag, 10. Juli 2017

Wallmuseum Oldenburg

Eine knappe Woche lang, war das Projekt Kölner Schatzbaukasten zu Gast im Wallmuseum Oldenburg.
Das Wallmuseum vermittelt das Leben der Slawen, die den Ort Starigard (heutiges Oldenburg/Schleswig Holstein) im frühen Mittelalter gründeten und aufbauten. Das Museum besteht aus zwei Scheunen mit Schaustücken, und einem sehr idyllisch gelegenen Freilichtmuseum.
Das Museum ist mit seinen Stationen zum ertasten und schnuppern (Innenbereich Scheunen, die Werkzeuge und Geräte der Darsteller, bitte nie ungefragt anfassen !) unbedingt Kinder freundlich. Neben den Häusern die am Wasser liegen und einem Schiff, gibt es Schafe und Wildgänse, die mich als Stadtkind wirklich erfreut haben.


Die Häuser sind immer wieder von Ehrenamtlern belebt, das heißt, es finden immer wieder Aktionen an den Häuser statt, meist an den Wochenenden, da die Darsteller alle einen normalen Beruf im normalen Leben haben. So kann man sich meist über Textil Handwerk erkundigen, aber auch über die Herstellung von Keramik, die Bearbeitung von Holz und vieles mehr. Je nach dem welche Darsteller Zeit haben, und anreisen können.
Darstellung eines Grubenbrands, von S. Schnoor








 Ein sehr liebevoll angelegter Nutzgarten rundet die Anlage ab. Er gefällt mir besonders gut.


Da das Wetter in unserer Woche durchwachsen bis erstaunlich kühl war, war das Museum nur mäßig besucht, und so habe ich eine Menge schnitzen können.Mein Kästchen ist gewachsen. Der Ring mit den Palmetten Muster Plättchen ist fertig geschnitzt und aufgenagelt. (Pfeil)

weiter geht es mit den Dachfiguren, hier Matheus mit Vorzeichnung (unhistorisch Bleistift)
hier beinahe fertig


Weil das Wetter zum Ende der Woche wirklich schlecht war, und es in den Häusern zu dunkel zum arbeiten UND gucken ist, habe ich zwischen den Vitrinen gearbeitet.
Das eigentliche Arbeiten im Haus wäre möglich, wenn keine Zuschauer im Licht stehen. Um die Frage"kann man überhaupt in so einem Haus arbeiten" zu beantworten.






Eine Frage die immer gestellt wird, ist die nach dem Zeitaufwand. Diese Frage lässt sich so leicht nicht beantworten. Oder doch, für den Mathäus waren es 2 Arbeitstage je c.a. 5 Stunden, vom dreieckig zugeschnittenen Beinplättchen an. Dabei habe ich viel Zeit mit Erklären und zeigen verbracht.
Beim Lukas waren es etwa 6 Stunden, wobei er noch nicht ganz fertig ist.
Geübte Handwerker, also die Erschaffer der Original Stücke im Mittelalter, waren da sicherlich schneller, da sie diese Arbeit täglich verrichteten.
und noch eine zweite Dachfigur ist entstanden : Lukas
Aber es gab auch Tage an denen das Wetter gut war, Dienstags besuchte uns ein Kindergarten.
Es war eine Freude, viele wissbegierige Fragen zu beantworten. Eingangs haben wir eine Runde mit Knochenkegeln gespielt, danach habe ich ein wenig geschnitzt und erzählt, während die Kinder Knochen, Kuhhorn und Geweihstück anfassen und befühlen konnten. Eine gehauene Feile, und ein Rinderknochen machten die Runde und jeder konnte testen wie hart so ein Knochen ist.
Danach ging es dann weiter zum Bogen schießen, mit Herrn Liebentraut.

Foto : R. Liebentraut
Freitag Abend, der Becher ist zum überlaufen voll geregnet.
Wallmuseum :
Wallmuseum Oldenburg
Prof.-Struve-Weg 1
23758 Oldenburg in Holstein
Internet: www.oldenburger-wallmuseum.de


Zusätzlich ist ein Besuch des historischen Walls und seiner Schautafel am Ortseingang sehenswert.

Für Gruppen auf Anfrage

Dienstag, 20. Juni 2017

Warum unterschiedliche Spinnrichtungen ?

Im Vorpost habe ich Gewebe mit unterschiedlichen Drehungen in den Garnen vorgestellt.
Warum hat man sich diese Mühe gemacht, was ist der Hintergrund ?

Bei sehr vielen historischen Textilien sind diese unterschiedlichen Drehungen der Garne nachgewiesen. Optisch macht das bei diesen Stoffen keinen Unterschied. Es hat einen technischen Grund, die Fasern sind fast in ein und die selbe Richtung ausgerichtet. Das macht das Gewebe dichter, und vielleicht auch glatter.
Hier ein und der selbe Stoff vor und nach der ersten Wäsche:

Während der ersten Wäsche plustern sich die Garne etwas auf, das Gewebe wird fülliger, dichter, es läuft auch immer etwas ein, da die Garne sich nun ohne die Spannung vom weben, entspannen können.
Aus diesem Stoff sind Strümpfe genäht worden. Ich trage diese Strümpfe nun schon sehr lange, und der Stoff ist hochbelastbar ohne dabei starr und steif zu sein.
 
Heute sind die Garne genormt gesponnen.Single Garn wird grundsätzlich im Uhrzeigersinn gedreht. Werden zwei oder mehrere Fäden zu einem Garn verzwirnt, passiert das immer entgegen der Uhr.
 
Hier zum Vergleich ein ähnliches Gewebe, mit genormt gedrehten Garnen:
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Es ist also möglich mit diesem einfachen Kniff Funktionsgewebe her zu stellen.
Es sind Segeltücher erhalten die aus Wollgarnen mit unterschiedlicher Richtung hergestellt wurden und eine extrem hohe Dichtigkeit aufweisen.
Es gibt aber auch Gewebe die durch die unterschiedlichen Richtungen, im Muster verwoben, einen optischen Effekt erhalten. Durch die unterschiedlichen Lichteinwirkungen erkennt man das Muster, obwohl auf dem ersten Blick, alle Fäden gleich aussehen.

Donnerstag, 8. Juni 2017

Leichter Tunikastoff, Mantel und Beinwickel

Ein Kunde der schon länger auf der Warteliste steht, hat eine umfangreiche Bestellung aufgegeben.
So wuchs seine Ausstattung zeitgleich auf 2 Webstühlen : auf dem Großen ist ein feiner Tunika Stoff, 2/2 Köper aus industriellem Kettgarn und handgesponnenem Schussgarn in S/Z Richtung, und am kleinen Sommerwebstuhl, Beinwickel aus komplett handgesponnenen Garnen, ebenfalls S/Z Richtung, in schlichter Leinwandbindung. Ausserdem gehört noch ein Manteltuch dazu, das schon vor Wochen fertig geworden ist, und mit auf der IRM war.


Tunikastoff:
ein leichter Köper (2/2er) 
100% Wolle ungefärbt und Naturbelassen
Kette Singlegarn industriell gesponnen Z 10 Fäden/1cm vor dem Waschen
Schuss handgesponnen S (von Aennlin ) ca 15 Fäden/1cm vor dem Waschen



unter Spannung am Webstuhl, S/Z Stellung unter dem Fadenzähler, zur besseren Sicht ist die Richtung nachgezeichnet




Beinwickel:
die Beinwickel sind an die des Bernuthsfeld Manns angelehnt.
Sie werden in einer schlichten Leinwandbindung gearbeitet, die Garne sind alle Handgesponnen und ungefärbt. Die Wickel sind im Original recht breit, hier weichen wir mit Absicht ab, mein Kunde hat sich für eine Breite von etwa 7- 8cm entschieden.
Kettgarn Single Garn 10Fäden/1cm Z Drehung, Suffolk aus der Flocke gesponnen (diesmal von mir)
Schuss Single etwas dicker S Drehung (von Annlin)
Die Fertigung wird sich hin ziehen, da sie am kleinen Sommerwebstuhl passiert.


Der Mantel:
in der Form haben wir uns auch hier an den Fund des Bernuthfeld Manns orientiert. Diesmal sind wir in der Bindung abgewichen, da im Fundgut der zukünftigen Darstellung mehrere 2/2 Köper und Leinwandbindungen vorkommen, jedoch kein Fischgrat. Da eine Leinwandbindung grundsätzlich steifer und weniger gefällig ist, als mit den selben Materialien hergestellter Köper, fiel die Wahl leicht.
Wegen der Menge an benötigten Materials (alle anderen Garne waren gerade vorrätig, auch wenn gerade das Garn der Tunika einen ebenfalls unglaublichen Arbeitsaufwand benötigt hat) sind alle Garne industriell gesponnene Single Garne in Z Drehung. Der Schuss ist dicker und lockerer als die Kette.
Kettdichte ca 7Fäden/1cm
Schuss etwa 5Fäden/1cm



Hier alle 3 Gewebe im Zusammenspiel, stellvertretend für die Beinwickel eine Probe des Gewebes, schon fertig gewaschen.

Mittwoch, 31. Mai 2017

Auf der IRM 2017

Zwischendurch mal etwas ganz Albernes, eine Bildergeschichte

Ich habe einen Neuen ...