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Montag, 25. Juli 2016

Was sind das für komisch angezogene Leute oder offener Brief an die Burgenbesitzer

Eine knappe Woche "Urlaub" haben mein Mann und ich auf einer historisierten Anlage verbracht.
In historisierten Kostümen belebt, wie man so schön sagt.
Das bedeutet man füllt ein Freilichtmuseum mit Leben, lebt dort zumindest Tagsüber passend zur Zeit der Anlage und vermittelt so den Besuchern ein Bild vergangener Zeiten.
Man erklärt, zeigt und führt vor, schließt die Anlage morgens auf und abends zu.
Lässt Schulklassen an sich vorbei fluten, wird ungefragt fotografiert und auch schon mal angepöbelt oder ausgelacht. Das Gros der Besucher ist aber meist nett, freundlich und interessiert.
Den ganzen Tag erklären was man da macht, ist Arbeit. Man muss sich konzentrieren, man sollte den Besuchern keinen Unsinn erzählen.
Am Ende einer Erklärung gibt man sich oft einen Ruck und bittet um eine Spende für die Anlage.



Das Equipment, also all der Kleinkram wie Kochgeschirr, Keramik, Trinkgläser, Handwerkszeug, Kleidung bis hin zu Kochrezepten, ist auf privater Basis recherchiert, finanziert und mitgebracht. Der Besucher sieht nur die Spitze des Eisberges.

Was ist der Eisberg ?
Am Anfang steht die Recherche. Meist über das Internet. Von dort aus zu Publikationen, die man mit etwas Glück in erschwinglichen Büchern nachlesen kann, meist aber in Büchern die man sich mühsam über die Fernleihe besorgt, weil so ein Buch mitunter 300€ und mehr kosten würde, ohne im Vorfeld zu wissen, ob dort wirklich die Information, die man gerade sucht, steht.

Museumsbesuche, viele und nicht nur vor der Haustüre, runden die Sache ab.
Soll das Bild stimmen, will jedes Krüglein, Löffel, Schuh, Tasche, Schmuckstück, die gesamte Kleidung, Stück für Stück im archäologischen Fundgut eine Vorlage haben. Hat man diese Vorlage gefunden, geht die Suche los : Welcher Handwerker kann eine Replik anfertigen, was kann man selbst machen, wie lange muss man dafür sparen ?
Manches bekommt man gut, weil es Handwerker gibt, die in der Herstellung historischen Repliken eine Nische gefunden haben, die ihnen hilft, ihren kleinen Handwerksbetrieb am Leben zu halten. Dann sind die Stücke gut finanzierbar.
Manches ist aber auch eine teure Einzelanfertigung.
Die Kleidung ist im Idealfall handgenäht, eine Arbeit die sich viele Besucher gar nicht vorstellen können.
Hat man seine Ausrüstung beisammen, kann es los gehen zur Veranstaltung.
 
Man packt also all seinen Kram ins Auto (wer Tetris beherrscht ist klar im Vorteil) und fährt los.
Dummerweise ist so eine Veranstaltung selten vor der Hautüre. Zu den Kosten der Ausrüstung und Recherche kommt noch, Benzingeld.
Eigentlich sollte man auch eine extra Versicherung haben, von der man allerdings nie wirklich weiß, in wie weit diese Dinge abgesichert sind, und wer eigentlich haftet, wenn etwas gestohlen oder beschädigt wird.
Wer Waffen mit sich führt benötigt spezielle Transportboxen, Schwarzpulverscheine und mehr.

Viele Veranstalter und "Burgenbesitzer" wissen um all das. Man wird geschätzt, man bekommt ein Danke. Oft gibt es etwas zu Essen und einen Kaffee oder ein paar Freigetränke. Ein Honorar oder eine Aufwandsentschädigung gibt es selten, kämpfen doch viele Einrichtungen um ihre Existenz.

Leider immer öfter wird jedoch eine Pauschale von den Darstellern verlangt, mit der Begründung die Waschräume und Brennholz zu stellen. Diese Pauschale ist bisher klein, meist 6€ pro Tag und pro Nase.
In der Regel bekommt man dafür Brennholz, das brennbarer Abfall ist, und nicht etwa gut abgelagertes, zum Kochen geeignetes Feuerholz zur Verfügung gestellt.

Und hier setzt mein Ärger an !
Ich soll Geld zahlen, um mit meiner Arbeit und den Dingen, die ich mitbringe, ein Museum attraktiver zu machen ?
Zahlen, obwohl ohne die Anwesenheit der Darsteller die Häuser nur von außen besichtigt werden könnten und verschlossen blieben ? Zahlen, obwohl ohne Darsteller nur halb so viele Spenden in die Box gingen ? Sieht so Wertschätzung aus ?

Ich für meinen Teil überlege ernsthaft, solche Anlagen künftig zu meiden und damit eine klare Grenze zu ziehen.



Nachtrag 27.07 12,25 Uhr: Ich bin wegen der Qualität und Menge des Holzes mehrfach angesprochen worden.

Im Interesse der Träger sollte in den Häusern kein Holz mit Farb- oder
anderen Rückständen verbrannt werden, ebenso kein Holz, das noch grün
oder nass ist und übermäßig viel Rauch beim Abbrennen bildet.
Zur Produktion von privaten Werkstücken, Keramik, Schmiedewaren etc.
wird Holz über den normalen Verbrauch hinaus benötigt, diese Mengen
waren in meinem Post nicht gemeint.
Wird von Darstellen eine Handelsware vertrieben, Andenken für
Besucher oder Bedarf für Darstellerkollegen, kann natürlich eine Standmiete
erhoben werden. Mein Post bezieht sich rein auf die unkommerzielle
Arbeit von Darstellern.


Kommentare:

  1. Viele kleine Museen sind chonisch unterfinanziert, einige Anlage haben als historisierende Gebäude in Gemeinde- oder Vereinseigentum - oft nicht mal mit einen Verwaltungs- oder Konzeptüberbau. Grade kleine Museumseinrichtungen sind auf ehrenamtliche Arbeit angewiesen. Aber die Voraussetzung sollte schon sein, dass Gäste eben wie Gäste behandelt werden. Darsteller im Haus zu haben verursacht Kosten (Betreuung und Organisation im Vorfeld und vor Ort, höhere Reinigungskosten). Die Gäste dafür zahlen zu lassen ist ist für mich nur dann gerechtfertigt,, wenn die Anlage frei genutzt werden kann (also in der Ruhezeit im Winter). Brennholz, soweit vorhanden sanitäre Anlagen, Kühlschrank und Küche und eventuell spezielle Materialen (Ton, Holzkohle und ähnliches) sollten drin sein. Bei besucherintensiven Veranstaltungen bietet man Gästen Getränke und etwas zu essen an! Oft tun das dann auch ebenfalls ehrenamtlich tätige Vereinsmitglieder. Schulklassen sind ein andere Thema. Es ist für mich aus mehreren Gründen ein Unding eine Horde Schüler mit Infomationsbedarf und Zerstörungspotenzial (am besten noch unangekündigt!!!) auf ehrenamtlich aktive Personen loszulassen!!! Wenn ein Klassenbesuch geplant ist, gibt es immer im Vorfeld die Möglichkeit sich abzusprechen - aber zwischen Person und Expontat sollten die Lehrer, Betreuer und Verantwortliche der Einrichtung stehen! Museen haben einen Bildungsauftrag - ehrenamtliche Darsteller nicht. Das kann anderes sein, wenn es ein Konzept gibt und Darsteller einbezogen werden - also für bestimmte Aktionen. Der eine oder andere Archäotechniker oder Waldpädagoge hat so erste Schritte gemacht und ist in die Aufgabe hineingewachsen. Das ist eine gute Möglichkeit, die aber nicht vorausgesetzt werden kann und sollte. Ich habe wirklich viele Jahre Erfahrung auch in ehrenamtlicher Arbeit. Es gibt Personen und Häuser zu denen noch aus dieser Zeit ein besonderer Kontakt besteht. Aber das sind alles Einrichtungen, die Gäste eingeladen haben. Das sind Personen, die sich gekümmert haben, die geholfen haben (z.B. bei kniffeliger Recherche und den ersten Gehversuchen in Sachen Fachartikel).Es gibt aber auch Einrichtungen, für die ich aus der persönlichen Erfahrung heraus nicht mal einen Auftrag annehmen würde.

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    1. Ich möchte es mal so formulieren: wo ein Wille ist ( in dem Fall der, die Darsteller als Bereicherung zu betrachten und nicht als Melkvieh ), findet sich in den allermeisten Fällen auch ein Weg. Das Museum, in dem ich bis vor einem Jahr als Schauhandwerker ehrenamtlich war, baut in der Hinsicht immer mehr ab. Manche Organisatoren der Aktionstage kümmern sich mehr, andere weniger, und wenn einer gar nicht mag (auch sowas gibts), drückt das die Stimmung gewaltig. Die Besucher kriegen das auch mit! Ich warte auf den Tag, wo die Handwerker auch hier für die Werkstattbenutzung zahlen sollen...

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  2. Ich bitte um Verständnis das Annonyme Kommentare nicht veröffentlicht werden, der Vorpost ist nach Absprache veröffentlicht, der Verfasser ist mir pers. bekannt.

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